Sonntag, 7. August 2016

Livia fragt nach…. bei Christian Lindner Bundesvorsitzender der FDP

Ich, als Politik-Interessierte Schülerin habe mir schön öfters Gedanken - HIERüber unsere Politik gemacht. Besonders über Themen die mich persönlich beschäftigen. Diese Themen liegen für mich besonders im Bereich Schulsystem und mehr Sicherheit für Mädchen. Speziell mit Herrn Lindner wollte ich über diese Themen reden und das nicht nur weil er bei uns Jugendlichen zu den beliebtesten Politikern zählt sondern weil ich Herrn Lindner auch als den sympathischsten Politiker empfinde. Deshalb wollte ich auch unbedingt wissen was Herr Lindner von meinen Themen hält und welche Gedanken er dazu hat. 

Das Neujahrs-Interview 2017 mit Christian Lindner ist HIER zu lesen 

Kurz noch zur Person Christian Lindner
Er ist Bundesvorsitzender seit 2013 einer der großen Parteien Deutschlands mit ca. 54.000 Mitgliedern. Der Freien Demokratischen Partei – kurz also der FDP.

Livia fragt nach …..


Herr Lindner, was war ihr Ziel als Jugendlicher und welches Ziel haben sie heute in ihrer Politik?
Herr Lindner: Ich bin als Schüler zu den Freien Demokraten gekommen, weil diese Partei meinem Lebensgefühl entspricht. Lust auf Fortschritt und persönliches Weiterkommen, Freude an Freiheit und Neugier auf andere Menschen. Ich wollte damals schnell eine eigene Wohnung und habe neben der Schule dafür gearbeitet. Die FDP steht für diesen Willen nach Selbstbestimmung. Mein Ziel ist, dass dieses Lebensgefühl auch im Parlament wieder vertreten ist. Und dafür reise ich viel rum, um dafür zu werben und Menschen neu zu begeistern.

Eines meiner Lieblingsthemen als Schülerin ist für mich vor allem das Thema „Änderung des Schulsystems“. Besonders das G8 ist nicht nur für mich nicht ausgereift. Ich glaube, dass viele den Schulstress im G8 wirklich unterschätzen. Ich finde es auch ungerecht, dass das Schulsystem in jedem Bundesland unterschiedlich ist. Deshalb empfinde ich ein Einheitliches G9 in ganz Deutschland natürlich für besser und gerechter. Was mich jetzt natürlich besonders interessiert ist ihre Meinung zu diesem Thema.
Herr Lindner: Wenn das G8 gut organisiert wird, die Lehrpläne entrümpelt und die Anzahl und Ausbildung der Lehrer gut ist, ist das G8 keine Belastung. Ich bin weiter ein Anhänger davon. Aber natürlich ist zu sehen, dass es in den verschiedenen Bundesländern nach wie vor Probleme damit gibt. Warum sollte nicht jede Schule selbst entscheiden, ob sie G8 oder G9 anbietet? Dann könnten Eltern und Schüler entscheiden und die Schulen ein eigenes Profil entwickeln. Ein einheitliches Schulsystem sehe ich kritisch. Aber auch unser Bildungsföderalismus, also dass jedes Bundesland alles für sich entscheidet, hat seine Fehler. Bayern steht ja nicht nur im Wettbewerb zu Bremen. Sondern deutsche Schüler stehen im Wettbewerb zu denen aus Nordamerika und China. Wir brauchen mehr Vergleichbarkeit der Schulsysteme und neue Möglichkeiten der Finanzierung durch den Bund. Bei digitalen Lernmethoden droht Deutschland völlig den Anschluss zu verlieren. Wir brauchen jetzt einen Kraftakt in Deutschland, um das wieder aufzuholen. Unser Ziel sollte sein, dass wir die beste Bildung der Welt ermöglichen!

Ein sehr einschneidendes Erlebnis besonders für uns junge Frauen war das, was in der Kölner Silvester-Nacht passiert ist. Es hat mich auch persönlich berührt und ich habe mir auch dazu meine Gedanken - HIER - gemacht. Bis heute ist das immer noch ein Thema bei uns Mädchen in der Schule. Was ist ihre Meinung um Gewalt gegen Frauen und Mädchen besonders mit dem Blick auf die Kölner Silvester-Nacht zukünftig zu verhindern?
Herr Lindner: Die Bürgerinnen und Bürger müssen sich in jedem Winkel unseres Landes sicher fühlen können. In der Silvesternacht war das in Köln nicht der Fall. Wir haben dort leider ein schweres Versagen bei der Planung des Einsatzes erlebt. Zu wenige Polizisten waren vor Ort. Und die, die dort waren, haben die Lage falsch eingeschätzt und nicht die richtigen Konsequenzen gezogen. Wir haben deshalb einen Untersuchungsausschuss im Landtag beantragt, der sich das alles genau anschaut. Wir müssen sehen, welche Fehler gemacht wurden, damit sich das nicht wiederholt. Das Selbstbestimmungsrecht aller Menschen ist nicht antastbar – gerade junge Frauen müssen ausreichend geschützt werden. Die Debatte in der Innenpolitik wurde zu lange falsch geführt. Wir haben ständig über neue Gesetze und mehr Überwachung diskutiert. Wir brauchen aber vor allem eines: Mehr gut ausgebildete Polizisten, die im Konfliktfall wirklich helfen können. 

Sie haben ja in einem Interview im April gesagt, dass viele ihrer Neuwähler aus dem Lager der Nichtwähler kommen. Ich kann mir aber auch sehr gut ein Wahlrecht für Jugendliche ab 15 Jahren vorstellen. Natürlich aber unter gewissen Voraussetzungen wie zu Beispiel das vorherige Beantragen des Wahlrechts bei der dafür zuständigen Behörde in der Stadt. Also das Herabsetzen des Wahlalters - Was halten sie davon? Wäre das nicht ein Vorteil für Parteien wie ihre FDP und somit eben ein Nachteil für die AfD? 
Herr Lindner: Ich bin skeptisch, was eine Veränderung des Wahlalters angeht. Die Erfahrungen in Ländern mit Wahlrecht ab 16 zeigen, dass davon leider nicht so stark Gebraucht gemacht wird. Und laut Umfragen wollen das viele Jugendliche selbst nicht. Ein wichtiger Punkt ist außerdem, dass das Wahlrecht bei staatlichen Wahlen und die Volljährigkeit nicht voneinander getrennt werden sollen. Rechte und Pflichten gehören zusammen.
Wir sollten die Frage des Wahlalters unabhängig von der Frage führen, wem es helfen oder schaden könnte. Wir sollten nicht versuchen, die AfD durch Tricks und Rechtsänderungen klein zu machen, sondern indem wir sie inhaltlich stellen. Ich habe kein Verständnis, wenn jemand die AfD wählt. Wer sie wählt, verharmlost Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Wir sind das genaue Gegenteil der AfD: Wir verteidigen die Werte unseres freiheitlichen Grundgesetzes, stehen für Marktwirtschaft, Toleranz und Weltoffenheit und wollen den einzelnen Menschen groß machen.


Ich möchte mich jetzt noch bei Herrn Lindner bedanken für das offene und ausführliche Beantworten meiner Fragen. 

WAR ECHT COOL !!!  Mein 183.Post und ein echtes Highlight für mich!!!

Es war für mich sehr aufschlussreich, gerade auf die Antwort über das Thema G8. Wie Herr Lindner schon sagte, WENN das G8 gut organisiert ist…
Für mich wäre jedoch das G9 mit einem einheitlichen Lehrplan für ganz Deutschland die perfekte Lösung. Gerade auch im Bezug Sicherheit bin ich der gleichen Meinung
mehr Polizei heißt nicht gleichzeitig weniger Toleranz oder weniger Weltoffenheit.


Eure Junior-Bloggerin Livia

Kommentare:

Cella hat gesagt…

Ich kann seine zweite Antwort gar nicht nachvollziehen... Für Erwachsene, die selber nie das G8 hatten, ist es wohl schwer nachvollziehbar unter welchem Stress und Druck die Schüler stehen. Finde schade, dass das nicht geändert wird!

Many W.P. Soundtrack-Of-Life hat gesagt…

Ich kann das Problem verstehen, wenn man auch das Schulsystem in Köln kennt. Das Niveau in Köln hinkt mind. 1 Jahr hinter Bayern hinterher....

Anonym hat gesagt…

Bezüglich G8 kann ich Herrn Lindner nur beipflichten. Ich selbst habe in Bayern (G8) vor ~3 Jahren das Abitur gemacht. Natürlich war das kein Zuckschlecken, aber das soll es ja auch nicht sein. Als übermäßige Belastung würde ich das G8 keinesfalls ansehen. Jedoch hätte gleichzeitig mit der Einführung des G8 eine Kernsanierung des Lehrplans und der Schulfächer einhergehen sollen (besonderes Augenmerk auf MINT-Fächer).

In der letzten Frage hat sich wohl der Fehlerteufel eingeschlichen: "Wir sind das genaue Gegenteil der FDP", hier ist wohl das Gegenteil der AFD gemeint.
Interessantes Interview! & großes Lob an die Bloggerin, ich habe mich erst ab der Oberstufe für Politik interessiert, klasse!

Junior-Bloggerin Livia hat gesagt…

Danke für den "Fehlerteufel-Tipp" - hab es berichtigt :)
Ja, das G8 gibt wirklich viel Grund zum diskutieren und die neue bayrische Schulreform bezüglich G8 macht mich auch nicht wirklich glücklicher....
Aber in den Ferien gefällt mir sogar das G8 ;)
JBL

Elisabeth hat gesagt…

Ich habe mein Abi in Thüringen/G8 gemacht. Hatte am Ende auch nur einen Schnitt von 1,7 aber für den musste ich nie lernen, habe die Schule als ziemlich entspannend im Gegensatz zum Studium empfunden. Ja, andere hatten mehr Stress, aber vielleicht muss man manchmal überlegen, ob man sich dann nicht besser für einen guten Realschulabschluss entscheiden sollte. Ja, ein Abi öffnet Türen. Aber gerade in nicht studierten Berufen gibt es doch eine hohe Nachfrage an Auszubildenden. Und ein Fachabi/Studium ist dadurch auch nicht ausgeschlossen. Finde es auch keine Schande, kein Abi zu machen, auch wenn es viele gern so darstellen. Wer z.B. eher praktisch orientiert ist, wird doch in einem theoretischen Beruf eh nie glücklich.
Außerdem habe ich den Vergleich gehabt, was die Lehrinhalte von Kommilitonen aus Bundesländern mit G9 oder erst kürzlich eingeführtem G8 beinhaltet haben. Wir kamen an keinen Punkt, wo ich hätte sagen können, das hatten wir nicht und ich wäre im Nachteil gewesen. Der Stoff war einfach nur auf ein Jahr länger gezogen. Da bin ich doch lieber ein Jahr eher fertig und hänge z.B. noch ein Jahr im Ausland dran. Ein Studium dauert noch lang genug, da muss man die Schulzeit nicht künstlich verlängern.

Unknown hat gesagt…

Vor ein paar Jahren Abitur in Sachsen gemacht (G8), und Stress ist das letzte Wort welches mir dabei in den Sinn kommt. Bayern und Sachsen als G8 Länder schneiden auch bei den deutschlandweiten Vergleichen immer als beste ab. Lieber ein Jahr früher fertig werden und mit dem eigentlichen Leben anfangen, als die wichtigsten Jahre mit Theater-AGs und ähnlichem Firlefanz zu verschwenden.

Many W.P. Soundtrack-Of-Life hat gesagt…

Was viele nicht wissen und das hat Herr Lindner richtig erkannt - Dass der Lehrplan in jedem Bundesland unterschiedlich ist und der Lehrplan in Bayern das höchste Niveau hat. Oder besser gesagt ist der Lehrplan in Bayern einfach nur gnadenlos überzogen. Entrümpeln ist genau das richtige Wort, das Herr Lindner gesagt hat. Theater AGs sind tatsächlich nicht besonders wichtig aber das eine oder andere Praktikum in einer guten Firma kann für jeden Schüler sinnvoll sein.

Otze Worman hat gesagt…

Ich fand auch G10 so schlecht nicht, wenn die Hälfte ein Jahr schneller ist, wieso nicht auch ein Jahr länger probieren? Entspricht zumindest dem liberalen Individualismus. Jedenfalls ist der Fächerkanon immer noch sehr fragwürdig, oder gar kontraproduktiv, wenn die beste Bildung der Welt das Ziel ist - dieses Ziel wäre ja synchron zur Digitalisierung der Bildung zu sehen, die im Schulsystem wenig zu erkennen ist. IT oder Programmieren müsste ja unlängst auf einer Ebene mit Mathe und Englisch stehen.. jedenfalls ist es befremdlich, wenn Schüler/innen morgens um 7 im Bus sind, und abends um 17 oder 16 Uhr aus der Schule kommen, wenn das das Ergebnis von G8 ist, dann bin ich froh das ne gemacht haben zu müssen..
"Mehr gut ausgebildete Polizisten" / "Köln 2016" -> Dieses "mehr" muss auch jemand bezahlen, und das sind die Menschen, die jeden Morgen aufstehen und zur Arbeit gehen - und die Hälfte dessen, was sie sich erarbeiten schon heute an den Staat abgeben müssen. Noch mehr? Vielleicht sollte sich eine grüne Kanzlerin doch besser vorher überlegen, dass unter 1,5 Million Fremden, die in einem einzigen Jahr unkontrolliert die deutsche Grenze überqueren, davon hauptsächlich junge Männer, auch gewalttätige Männer, und sei die Zahl auch noch so klein, dabei sein könnten.. das ist typisch: ein Problem selbst schaffen, das nächste Problem daraus resultierend, und am Ende muss der Steuerzahler für die Problemlösungen bezahlen. Totaler Irrsinn. Aber das kennt CL ja aus seiner Partei: Abschaffung des Entwicklungsministerium fordern und dann den Entwicklungsminister mit Gert Niebel 2009 aus der eigenen Partei besetzen.. Immerhin ja, Gewalt muss mit aller Härte der Justiz bestraft werden, egal woher jemand kommt, ob deutsch oder nicht-deutsch, und welche Gesinnung er hat, ob links oder rechts, und egal gegen wen.

Unknown hat gesagt…

16 verschiedene Bildungssysteme in einem kleinen Land sind Irrsinn. Wir sollten bundesweit einheitlich Bildungsziele (nicht Lehrpläne) vorgeben - dann sollte jede Schule zusammen mit Eltern und Schülern selbst entscheiden welchen Weg sie beschreitet: Sprachfolge, Fächerauswahl, Halbtags oder Ganztags, Frontal- oder Projektunterricht usw. Nach einiger Zeit würden sich Erfolgsmodelle herausbilden die von anderen übernommen werden könnten.

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