Samstag, 11. November 2017

Gastartikel der Initiative „Kleiner Fünf„: Doof sind immer die anderen

Ich habe die Initiative „Kleiner Fünf“ übrigens bei der Preisverleihung des RTL Com.mit Awards kennengelernt, denn sie waren, genau wie ich auch, im Finale des Com.mit Awards.
Da mir ihr Einsatz „radikal freundlich gegen Populismus zu kämpfen“, sehr gut gefallen hat und es auch sehr wichtig ist, haben wir damals schon ausgemacht, dass sie einen Gastartikel auf meinem Blog schreiben werden
 

Was oder wer ist jetzt aber„Kleiner Fünf“?
Kleiner Fünf ist eine Initiative in der mehr als 100 Freiwillige mitarbeiten und streiten – für Demokratie, politische Teilhabe und für einen respektvollen Austausch in der Gesellschaft. Unser Ziel ist eine Gemeinschaft in der wir Probleme ansprechen und lösen, statt Einzelne oder Gruppen zu Sündenböcken zu erklären und Menschen gegeneinander auszuspielen. 




Gastartikel: Doof sind immer die anderen
Geh raus, hab Spaß, dann lernste auch Leute kennen” ist einer der besten Ratschläge meines Bruders. Doch viel zu oft bleibt das “rausgehen und neue Leute kennenlernen” auf der Strecke. Denn sind wir mal ehrlich, in vielen Fällen haben wir es einfach nicht mehr nötig “raus zu gehen”. Per Smartphone und mobilem Internet ist es sehr einfach dieses “da draußen” zu uns kommen zu lassen.

Doch in dieser Möglichkeit steckt auch eine Gefahr: Wir erhalten den Eindruck, die Welt so ist wie wir sie uns vorstellen und das sie für allen anderen ganz genauso aussieht.

Um diese Gefahr zu erkennen, musst du wissen, dass wir alle in einer kleinen Filterblase leben. Die heißt so, da wir uns - ganz natürlich - bevorzugt mit Menschen und Ansichten umgeben, die wir mögen und teilen. Menschen die wir nicht so mögen, Dinge die uns ein ungutes Gefühl geben, filtern wir aus unserer Wahrnehmung heraus. Warum solltest du dich auch ständig streiten oder Serien schauen, die du eigentlich gar nicht magst?

Wie geschrieben ist all das natürlich und auch erst Mal gar nicht weiter schlimm. Auch in unserer vernetzten Welt, mit Smartphones und mobilem Internet, leben wir in einer Filterblase. Auch hier umgeben wir uns, auf ganz natürliche Weise, mit Dingen die wir mögen, denen wir zustimmen und die uns ein gutes Gefühl geben.

Doch in der vernetzten Welt gibt es etwas das mitentscheidet, über das was wir sehen, lesen und hören - der Algorithmus. Vereinfacht gesagt, ist das eine Technik die uns die Menge an Informationen vorfiltert, in dem es uns bevorzugt unsere Vorlieben präsentiert. Dieses vorfiltern ist genau der entscheidende Knackpunkt.

Würde Facebook das zum Beispiel nicht machen, dann würdest du in deinem Newsfeed jeden Tag über 4.000 Meldungen sehen. Vieles davon interessiert dich eigentlich gar nicht und Facebook weiß das auch. Nicht nur Facebook nutzt diese Technik, sondern alle sozialen Netzwerke, Onlineshops, Nachrichtenmagazine, Streaminganbieter wie Spotify, Deezer, Netflix, Maxdome und wie sie alle heißen.

Die Technik von Google, Facebook, Amazon und Co ist als darauf aufgebaut, uns immer wieder zu zeigen was wir gerne mögen, was nach Ansicht des Algorithmus für uns “relevant” ist. Je mehr wir dem Algorithmus, durch Likes, Shares, usw., verraten was wir mögen, desto mehr von diesen Produkten, Stars, Nachrichten, etc. bekommen wir in unsere Apps und Timelines gespült.

Und genau darin liegt die anfangs angesprochene Gefahr der Filterblase: Wir erhalten den Eindruck, die Welt so ist, wie wir sie uns vorstellen und das sie für allen anderen ganz genauso aussieht.

Was nicht in unser Weltbild passt, bleibt dabei leider sehr oft auf der Strecke. Doof sind immer nur die anderen.

Das war übrigens auch schon früher so - doch die Technik kann den Effekt verstärken. Zusätzlich ist es durch die fehlende Körpersprache schwierig, Humor oder Ironie als solche zu erkennen - Emojies hin oder her.

Da wird das, was früher vielleicht ein kurzer Wortwechsel gewesen wäre und von dem sonst kaum jemand etwas mitbekommen hätte, heute schnell zu einer ewig langen Diskussion im Chat oder in den Kommentaren.

Die gute Nachricht: Gegen die Filterblase und den “nur die anderen sind doof”-Eindruck gibt es drei ganz einfache Schritte.

Der Erste: Gelassenheit.

Nicht jeder Aufreger ist tatsächlich einer. Es gibt Menschen, die aus einer Mücke ganz bewusst einen Elefanten machen - unter anderem, weil sich damit Geld verdienen oder Macht über andere erlangen lässt.

Der Zweite: Höflichkeit.

Bei Kleiner Fünf sprechen wir von “radikaler Höflichkeit”. Das heißt, egal wie blöd du das Thema des anderen finden oder wie wenig du den Standpunkt deines Gegenüber teilst:
  • Lass dich erst Mal darauf ein.
  • Versuchen sie oder ihn zu verstehen.
  • Frage höflich und interessiert nach.

Das soll nicht bedeuten, dass du dich dabei ausnutzen oder verarschen lassen sollst. Es gibt auch Menschen, die dich einfach nur ärgern oder Unruhe stiften wollen. Lass dir davon nicht den Blick auf die Menschen verstellen, die dem Anschein nach eine andere Meinung vertreten als du.

Der Dritte: Rausgehen und Leute treffen.

Geh raus, hab Spaß, lern Leute kennen und verlerne niemals neugierig zu bleiben. Du wirst sehen, es gibt mehr Menschen die deine Hoffnungen, Sorgen oder Ängste teilen als du denkst. Sie drücken sich dabei oft nur anders aus als du.

Jetzt noch Danke an „Kleiner Fünf“ für ihren Gastartikel und wer die Initiative mal Online besuchen möchte, der kann das gerne HIER tun.

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