Sonntag, 12. November 2017

Nachgefragt! Diese Flüsse verschmutzen unsere Meere am meisten aber warum?


Die neusten Daten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) zeigen, dass 90 Prozent des globalen Plastikabfalls in den Weltmeeren, diese zehn Flusssysteme (acht in Asien und zwei in Afrika) dafür verantwortlich sind.
Auf Platz eins der Verursacher-Liste steht der Yangtse, gefolgt von dem Indus und dem Gelben Fluss in Asien und die einzigen nicht asiatischen Flüsse auf der Liste sind der Nil und der Niger in Afrika. Der Yangtse ist übringens der längste Fluss Asiens mit einer Länge von 6380 Kilometern und er mündet ins Ostchinesische Meer.

Darüber wollte ich natürlich mehr wissen und habe deswegen Dr.Christian Schmidt vom des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (Hydrogeologie) darüber befragt.
Gerade die großen asiatischen Flüße sind die Hauptschuldigen für die Vermüllung der Meere. Warum ist es so weit gekommen und welchen Anteil hat Deutschland dabei?
Dr. Christian Schmidt (UFZ): Flüsse, die besonders viel Plastik transportieren sind durch drei Haupteigenschaften gekennzeichnet: 
1) In ihren Einzugsgebieten leben sehr viele Menschen, z.B. am Yangtse Fluss etwa 500 Millionen (Vergleich Deutschland: 
80 Millionen Einwohner). 
Bild: Yangtse Fluss Wikipedia
2) Es handelt sich um Regionen in denen Müll oft nicht vollständig gesammelt und fachgerecht entsorgt wird und daher viel Müll in der Umwelt endet.
3) Es handelt sich um große Flüsse, die transportieren Partikel - also auch Plastikteile- besser als kleine Flüsse. Europas Flüsse haben global betrachtet einen relativ geringen Anteil am gesamten Plastikeintrag in die Meere , was vor allem daran liegt dass praktisch der komplette Müll gesammelt wird. Dennoch sind auch unsere Plastik-Produktkreisläufe nicht völlig geschlossen,also auch bei uns gelangt Plastik in die Umwelt und kann dann letzlich auch in Flüsse gelangen. Wir schätzen, dass zum Beispiel der Rhein jedes Jahr etwa 200-500 Tonnen Plastik in die Nordsee spült. Eine wichtige Quelle für Plastik in der Umwelt bei uns ist das Wegwerfen von Müll, besonders Verpackungen von Snacks oder Einweg-Kaffeebecher und das obwohl fast an jeder Ecke Müllbehälter stehen.

Wenn bekannt ist welche Flüsse so einen großen Teil des Plastikabfalls ins Meer spühlt, verstehe ich nicht, warum man dann nichts dagegen macht? Technisch wäre das doch machbar. Warum passiert da Ihrer Meinung nach nicht genug dafür?
Dr. Christian Schmidt (UFZ): Ich denke, dass es sehr schwer ist Plastik auf Flüssen herauszusammeln. Flüsse transportieren nicht nur Plastik, im Gegenteil, die meisten Partikel sind Sedimente und Pflanzenreste und die können und sollten auch im Fluss bleiben. Technische Lösungen müssten also nur Plastik einfagen und alles andere durchlassen. Langfristig ist es viel wichtiger dafür zu sorgen, dass erst gar kein Plastik in die Flüsse gelangt. Dafür muss man die Eintragspfade kennen, daran arbeiten wir. Ich bin optimistisch, dass bei den Menschen auch das Bewußtsein wächst, dass Flüsse keine Müllhalde sind und der Müll einfach verschwindet, sondern das alles was im Fluss landet letzlich in die Meere tranportiert werden kann.

Was wären eigentlich die Folgen (für die Meeresbewohner und die Menschen) in den nächsten 10 Jahren, wenn immer noch mehr Plastik ins Meer gespühlt wird?
Dr. Christian Schmidt (UFZ): Eigentlich sieht man es schon heute. Plastikteile haben sich auf der ganzen Welt verteilt und sind praktisch überall zu finden, am Strand, im offenen Ozean, in Seen und Flüssen. Was noch nicht völlig geklärt ist, ist die Frage wie schädlich Plastik für die Tierwelt ist. Kleine Partikel werden mit Nahrung verwechselt und verschluckt. Das könnte verstärkt zu einem Problem werden.



Ich bin mir leider nicht so sicher, ob wir jemals das Plastikproblem in den Griff bekommen werden, da man die Unterstützung von jedem einzelnen Menschen braucht und dann wird es schon schwierig. (Wie ich auch schon in meinem Beitrag „Wegwerfgesellschaft 2.0 LINK geschrieben habe). Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir irgendwann auch dieses Problem lösen können, werden oder vielleicht auch einfach müssen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen